Engadiner Nusstörtchen – nur echt mit Walnusskaramell

By , 20 Februar, 2012, 4 Comments

Engadiner Nusstörtchen

Nachdem ich bei meinem letzthin frisch erkorenen Lieblingsmittagessen-Plätzchen auf eine Engadiner Nusstorte stieß, in die ich mich beim ersten Anbiss rettungslos verliebte, war meine dieswöchige Backsession gesetzt. Ich kaufte noch auf dem Heimweg gute Walnüsse, überprüfte zu Hause meine Butter- und Sahnevorräte und freute mich von da an auf’s Karamellkochen.

Sahnekaramell hatte ich bis dato noch nie selbst zubereitet und sah dem Unterfangen durchaus skeptisch entgegen. ich informierte mich in Roberts Cucina, der die Torte bereits unter dem Namen Bündner Nusstorte und tuorta da nusch engiadinaisa gebacken hatte und von mir als Garant für wohlschmeckende und gelingende Rezepte gehandelt wird. Zurecht wie sich erneut rausstellte, aber die Nussdichte schien mir beim ihm zu gering, die Teigmenge im verhältnis zu üppig. A propos üppig, die Torte sieht nicht nur so aus, sie ist so gehaltvoll und bei der RezKonvSuite bekam ich Rückendeckung für die Idee, kleinere Törtchen anzulegen statt einer großen. Bei Terragina schließlich fand ich ein Rezept, in dem das Nusskaramell-Fülle eindeutig die Hauptrolle spielte.

Walnuss-Karamell für Engadiner Nusstörtchen

Zutaten (für vier kleine Backförmchen):
250g Mehl, weisses
80g Zucker
125g Butter, kalt
Salz
1 Ei

Für die Füllung:
200g Zucker
200g Walnusskernee, gehackt und geröstet
50g Paranüsse, gehackt und geröstet
200ml Sahne
1 EL Honig

Zubereitung:
(1) Aus Butter, Mehl, Salz und Zucker zu einem schnellen Mürbeteig zusammenkneten. Etwa die Hälfte des Teiges in 4 Teile teilen und den Rest kühl stellen. Mit den 4 Teigteile die BBackförmchen dünn auskleiden – Boden und Wände sollten bedeckt sein, den Boden zusätzlich mit der Gabel einstechen. Wichtig: Schnell arbeiten, die Förmchen einzufetten ist ob des Fettgehalts des Teiges nicht notwendig. Dann die Förmchen ebenfalls kühl stellen.

(2) Den Zucker in einer Pfanne unter Rühren karamellisieren. Dann die Nüsse und den Honig zugeben und schließlich die Sahne. Dass der Karamell dabei aushärtet, darf einen nicht irritieren, stattdessen gilt es, auf kleiner Flamme weiterzurühren bis sich der Zucker in der Sahne wieder auflöst. Nun geht es nur noch ums Einkochen, das kann ein Weilchen dauern, gelegentliches Umrühren schadet nicht.

(3) Backofen auf 200°C vorheizen. Wenn die Karamellmasse zäh wird, darf der restliche Teig dünn ausgerollt werden und Deckel für die 4 Förmchen ausgestochen werden. Ich habe nicht den ganzen Teig dafür gebraucht, wer gerne dickeren Teig mag, darf ihn von daher ruhig großzügiger verteilen. Wichtig ist in jedem Fall, dass der Teig die Fülle dicht umschließt – darauf habe ich nämlich zu wenig geachtet und dann bahnt sich die Karamellmasse ihren Weg und kocht über. Das ei in einer Schüssel zerklempern und den Mürbeteig damit einstreichen – Robert sagt, das wiederspräche dem Originalrezept, ich aber mag da Gefühl, wenn das Eigebl später vom mürben Teig abblättert viel zu gerne, als dass ich darauf verzichtete :)

(4) Schließlich und endlich: Förmchen für 10 Minuten bei 200°C in den Ofen, dann den Ofen auf 170 °C runterdrehen und eine weitere halbe Stunde zu Ende backen. Dann: Abkühlen lassen und gerne über Nacht durchziehen lassen. Eingepackt in Folie halten sich die Törtchen im Kühlschrank mehrere Tage, sie schmecken aber auch bereits am gleichen Tag!

Engadiner Nusstörtchen

Fazit: Keine Kekse, aber äußert leckere, nussig-kleine Törtchen, die sich immer noch wunderbar teilen lassen und bisher bei jedem Testesser auf große Freude stießen, ob nun Kollege oder Freund, Mann oder Frau. Sie lassen sich toll transportieren, sind wundervolle Energiespender, haben ein verführerisches Innenleben, passen zu jedem Getränk – ob Portwein oder Milch, Tee oder Kaffee, zu Obst und in kleinen Dosen sogar als Nachtisch. Und: viel leichter herzustellen als gedacht!

Urteil: 10 von 10

4 Responses {+}
  • zorra

    Ja, die sind wirklich lecker auch in klein. Bei mir heissen sie natürlich Engadiner Nusstörtli. ;-) http://zorra.twoday.net/stories/2802392/

  • richensa

    Oh heißa, die sehen aber gut aus! Bei einer österreichischen Freundin lernte ich die Engadiner Nusstorte als Großgebäck kennen u lieben, das hier liest sich nach einer tollen Variante…

  • lamiacucina

    Bei meinen Engadiner Nusstörtchen hatte ich die Technik des dünnen Bode-Auswallens schon etwas besser im Griff als im ersten Beitrag.
    http://lamiacucina.wordpress.com/2010/03/10/engadiner-nusstortchen-3-gang-menu-fur-unter-e-9-99/

    Eben lese ich, dass die Engadiner Nusstorte die Erfindung eines Bündners sei, der in Lyon eine Feinbäckerei betrieb, war.

  • Anne

    @zorra, törtli klingt gleich noch viel netter :)

    @richensa, wann weihen wir deine neue Küche ein?

    @lamiacucina, ihr Schweizer macht mich noch ganz confitüre!

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