Soulfood nicht nur für regnerische Sonntage: Alfajores de Limon

By , 26 September, 2010, 21 Comments

Alfajores mit einem Hauch Limone

Ursprünglich eine arabische Süßigkeit*), sind Alfajores in Europa heute hauptsächlich als lateinamerikanische Doppelkekse bekannt. Es gibt unendliche Variationen, was die Zutaten, die Größe und vor allem den Überzug und damit die Süße anbetrifft. Die Füllung aber besteht stets aus diesem sahnig-süßen Karamell, bräunlich in der Farbe, streichfähig und mit hohem Suchtfaktor: Dulce de Leche! Letzthin hatte Mario mir einen argentinischen Alfajores mitgebracht…

Cabsha - Alfajores de Argentina Cabsha – Argentinische Alfajores mit weißer Schokolade überzogen. Und damit war klar, welche Kekse ich heute backen wollte. Dass ich damit gleichzeitig Kandidaten für das Kochevent Real Deal geschaffen habe, macht sie mir gleich noch sympathischer. Auf der Suche nach einem Rezept fanden sich viele mit Kokos-Raspeln. Eine Zutat, der ich auszuweichen versuche, wo immer es geht :) Schlussendlich entschied ich mich für das Rezept bei Chez Pim. Nicht zuletzt weil ich schon lange mal ein Rezept von Pim nachbacken wollte.

Fast zeitgleich aber verliebte ich mich in die Meyer Lemon und Lime Cookies. Und aus Angst vor der Süße der Alfajores entschied ich mich für eine Kombination der beiden Rezepte: Alfajores con Limon!

Limette und ZitroneZutaten:
(ergibt 3 Bleche)

  • 180g Mehl, weißes
  • 100g Speisestärke
  • 1TL Salz
  • 220g Butter, zimmerwarm
  • 120 g Puderzucker
  • 2 Zitrone
  • 1 Limette
  • 2 Eigelb
  • 1 kleine Dose (400g) gezuckerte Kondensmilch – bei mir gab es russische, aber deutsche geht auch und 200g reichen lässig!
  • 1 Vanilleschote, ausgekratzt

Zubereitung
(1) Kondensmilchdose in einem Topf mit Wasser für 2-3h auf kleiner Flamme köcheln lassen. Das Wasser muss die Dose dabei stets bedecken. (Keine Angst, die Dose explodiert nicht.) Vor der Weiterverarbeitung sollte die Dose auf Zimmerwärme heruntergekühlt sein.

(2) Von den Zitronen und Limetten die Schale abraspeln und mit Mehl, Speisestärke, Puderzucker, Butter und Salz in einer Schüssel mit dem Handmixer verrühren.Dann die zwei Eigelb unterrühren und schließlich den Saft einer Zitrone und der Limette. Teig für min. 2h kühl stellen, besser über Nacht.

Blog-Event LXI - The Real Deal (Einsendeschluss 15. Oktober 2010)

(3) Backofen auf 180°C vorheizen und ein Backblech mit Backpapier belegen. Teig auf einer bemehlten Fläche etwa 0,3-0,5 cm dick ausrollen. Traditionell werden Teigrondelle à 6,5 cm ausgestochen, ich mag lieber kleine Kekse und entschied mich für 2 cm Durchmesser. Solcherart verfahren, bis der Teig aufgebraucht ist. Die Plätzchen sollten höchstens auf der Unterseite leicht bräunen.

(4) Die Kekse vollständig auskühlen lassen. Sie schmecken auch jetzt schon wunderbar zart zitronig und zergehen ob der Speisestärke auf der Zunge! Zeit also für eine Teepause!

(5) Die durch das lange Kochen karamellisierte Kondensmilch mit dem Vanillemark vermengen. Jeden zweiten Keks der restlichen auf der Unterseite dick mit der bräunlichen bestreichen und mit einem zweiten Keks deckeln.

Alfajores - Original und selbst gebacken

Tipps: Ich habe russische Kondensmilch genommen, die ist weit weniger süß als die deutsche. Den Teig in Arbeitspausen bitte immer wieder kühl stellen. Und wer mag, kann die Alfajores natürlich auch noch mit Puderzucker oder Kokosraspeln verzieren.

Fazit: Eine sehr feine Kombination ergeben diese zart säuerliche, nur sanft süßen und auf der Zunge zergehenden Plätzchen mit der Dulce de Leche-Füllung. Der Duft von Zitrone und Karamell lässt fast schon weihnachtliche Stimmung aufkommen. Das ist zwar etwas verfrüht, tröstet aber wunderbar über einen verregeneten Sonntag hinweg. Prädikat: Unbedingt selber backen! Nur optisch möchte ich einen Punkt abziehen, mit stylishen Macarons können diese blassen Kekse mit der bräunlichen Füllung nicht mithalten.

Urteil: 9,0 von 10

*) Die Alfajores wurden erst mit den maurischen Sklavinnen nach Lateinamerika importiert.

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21 Responses {+}
  • elisabeth

    hmmm… das klingt ja lecker! ich muss mal gezuckerte kondensmilch in der dose suchen gehen, hab ich irgendwie noch nie hier gesehen, nur in der tube… :-/
    lg,
    elisabeth :-)

  • misboulette

    ich finde deine Kekse können auf jeden Fall mit Macarons mithalten! Die sehen toll aus, wow!
    hab die noch nie probiert, aber stelle mir sie ungefähr vor wie spanischen Weihnachtskekse, Mantecados oder Polvoron heissen die glaube ich. Nur mit Füllung.

  • Anne

    @elisabeth, in der Tube geht natürlich auch, dann ist nur der Karamellisiervorgang ein wenig komplizierter :)

    @missboulette (der Name ist übrigens toll!). Die Kekslein schmecken vor allem toll – die spanischen Weihnachtskekse kommen also auf meine Nachbackliste. Aber diese Woche ist erstmal Flammkuchen dran :)

  • Hesting

    Da es, wie ich glaube, bei Twitter untergegangen ist: hier ist ein Rezept für eine Zitronencreme, die sich bestimmt auch bei diesen Keksen gut macht:
    http://www.essen-und-trinken.de/rezept/140091/macarons.html
    Jedenfalls wäre es mal einen Versuch wert.

  • Anne

    @Hesting, das ist ja ein wahrer Creme-Fundus! Zitronencreme passt bestimmt und auch für die Pistaziencreme könnte ich mich wohl begeistern.

  • Stefan

    Vom feinsten sehen allein schon die Bilder aus. Ein geniales Rezept, was ich unbedingt einmal ausprobieren muss! Habe bislang noch nie solche Kekse gesehen.

    LG

  • Anne

    Hallo Stefan, dann wird es Zeit! Und wie Hesting schreibt, kann man beim Selberbacken die Füllung ähnlich wie bei Macarons variieren. Ich bin gespannt auf deine Meinung!

  • Sylvia

    Wie groß ist denn eine kleine Dose Kondensmilch, wenn es sich um die russische handelt? Wie die deutschen Milchmädchen-Tuben oder -dosen? Sobald ich die ml – Zahl weiß, muss ich die unbedingt nachbacken! Da lasse ich macarons doch glatt liegen dagegen, so lecker sehen die aus!

  • Anne

    Sorry, die wichtigen Angaben vergesse ich in letzter Zeit wohl gerne, liebe Sylvia. Aber du darfst von 400g ausgehen – das ergibt allerdings viel zu viel Dulce für die Kekse. Gut, dass sie auch aufs Brot schmeckt :) Viel Spaß beim Backen und Naschen!

  • Sylvia

    Heureka! Unglaublich! Auf der Suche nach dulce de leche Rezepten, Vergleich mit Karamell und den Kondensmilchvarianten habe ich einen Laden (“Pfunds Molkerei”) entdeckt, in dem es “Milchkonfitüre” gibt, was exakt passt! Einfach auf die Kekse drauf, fertig.

  • Kekstesterin

    Solche Lösungen sind mir die Liebsten, liebe Syllvia – Lass es dir munden!

  • Sylvia

    Da stehen sie! Sehen in der Tat ein bisschen blass aus, aber ich würde es eher als “vornehme Blässe” bezeichnen und glatt noch einen Punkt mehr geben. In deiner Variante sind sie wirklich unglaublich lecker, zitronig, leicht. Ich hatte nur bisschen Probleme beim Ausstechen, weil der Teig mit der geringen Mehlmenge sehr weich war, trotz nächtlicher Kühlung. Habe sie auch auf 3cm ausgestochen, die Milchkonfitüre drauf und schon … Stück genascht. Vielen Dank für das Rezept!

  • Kekstesterin

    @Sylvia, freut mich, dass du sie auch mochtest! Ich erinner mich auch im Nachhinein noch gerne an die gute Kombination von zartem Teig mit der frischen Säure und der süßen Füllung. Teigverarbeitung ist tatsächlich immer so eine Sache, ich will versuchen, da in Zukunft noch mehr Tipps zu zu geben…

  • Sivie

    Die sehen sehr lecker aus. Macarons schaffen es bei uns gar nicht erst bis zur Füllung. Vielleicht ja diese hier. Dort wo du die russische Kondenzmilch findest, müsste es auch fertig karamellisierte geben. Das spart einen Schritt.

  • Kekstesterin

    @Sivie, danke für den Tipp, ich werde beim nächsten Russen-Supermarktbesuch die Augen offen halten. Ich mochte hier besonders die wahnsinnig zarte Konsistenz des Teigs.

  • alfajores de limón - kyche

    [...] gut, real deal Kekse sind noch besser und wer hat bessere Kekskompetenz als unsere Kekstesterin? Alfajores de limón waren dann auch die Objekte meiner Begierde, bei Anne haben sie 9 von 10 möglichen Punkten [...]

  • Evi

    Lecker! :D

  • Kekstesterin

    Kann man wohl zwischendurch mal essen, wenn so gar nichts anderes im Haus ist, nicht? ;)

  • Alfajores « Anblick, Kekse, Alfajores, Lust, Rezept, Backen « Heiter bis glücklich

    [...] und sie genüsslich verzehrte, fand ich einen Eintrag dieser “Soulfood”-Kekse auf kekstester.de. Hier erfährt man einiges über diese lateinamerikanischen Doppelkekse, Alfajores genannt, und [...]

  • Florian

    Danke für das leckere Rezept! Ich habe die Plätzchen gestern und heute gebacken als Geschenk für meine Tante. Ein Hinweis, der Puderzucker selbst kommt im Rezept nicht mehr vor sondern nur in den Zutaten, weshalb er bei mir nachträglich von Hand reingewandert ist als ich das bemerkt habe…

    Ansonsten konnte ich leider keine gezuckerte Kondensmilch finden in 2 Supermärkten. Man bekommt die wohl in Delikatessenläden wie auch schon jemand in den Kommentaren gesagt hat, und von Nestle gibt es wohl eine namens “Milchmädchen”. Ich habe es stattdessen mit ungezuckerter Kondensmilch und extra Zucker und Vanille nach diesem Rezept hier gemacht: http://www.theofel.de/plog-archives/2011/01/dulce-de-leche-rezept.html. Mit dem Backpulver in dem Rezept bin ich mir nicht übrigens nicht so sicher, bei mir lief es bis zu dem Punkt mit dem Backpulver besser, danach ist mir das ganze dummerweise angebrannt :-( Aber schmeckt immer noch genial und die Reste gibt es demnächst aufs Brot.

    Zum Zubereiten selbst ist mir aufgefallen daß der Teig aus dem Kühlschrank echt schnell klebrig wird, also schnell verarbeiten und die Unterlage gut mit Mehl bestäuben damit man die Kekse abbekommt.

  • Kekstesterin

    Hallo Florian,
    ich freue mich, dass du dich hast verführen lassen von den Alfajores! Hab vielen Dank für deine ausführliche Rückmeldung, den Puderzucker habe ich gleich ergänzt.

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