Karlsbader Oblaten mit Schlagobers

By , 28 April, 2010, 7 Comments

Karlsbader Oblaten mit Schlagobers

Oder: wann ist ein Keks ein Keks?

Ich war noch nie in Karlsbad, ich wusste noch nicht einmal, wo das genau liegt, bzw. verortete es stets fälschlicherweise im Schwäbischen. Aber ich weiß, dass seine Oblaten meiner Oma schmecken. Und seit heute auch, dass die Oblaten, die ich dank meiner Oma schon als kleines Kind zu naschen bekam, weder aus Tchechien, noch aus Schwaben stammen, sondern im bayrischen Dillingen gefertigt werden.

Karlsbader Oblaten sind, verglichen mit Backoblaten oder Keksen, riesig: Ihr Durchmesser beträgt 18 cm und damit gingen sie schon fast als kleine Kuchen durch, wären sie nicht so hauchdünn. (Aber man kann sie natürlich mit Creme und Konfitüre zu einer Schichttorte drapieren.) Sie sind u.a. deshalb so fein, weil die knusprigen Teigschichten mit einer Mischung aus Zucker, gemahlenen Nüssen und Mandeln und Butter gefüllt sind. Mittlerweile gibt sie auch mit Schoko-, Nougat- oder Vanillecreme, aber die, die meiner Oma schmecken, sind die Klassischen.

Karlsbader Oblaten mit Schlagobers und Konfitüre

Karlsbader Oblaten bricht oder schneidet man zum Verzehr am Besten in handliche Stücke und knuspert sie – wie meine Oma – zum Kaffee, zum Tee oder zu einem Glas kalter Milch. Oder aber man bestreicht sie wie ich mit Konfitüre und für den, der Schlagsahne mag: auch diese steht ihnen gut zu Gesicht. Denn, und damit kommen wir zu einem kleinen Nachteil der Oblaten, es handelt sich um ziemlich trockene Gesellen.

Heute sind sie etwas aus der Mode geraten, aber man findet zumindest die Klassischen weiterhin bundesweit in Lebensmittelgeschäften. Ich habe meine sogar im Asia-Markt ums Eck gefunden und konnte nicht widerstehen. Außerdem lassen sie sich beim Hersteller in allen erdenklichen Variationen – allerdings nur in größeren Mengen – auch online bestellen.

Historisch ist nicht gesichert, ob sie zuerst von Mönchen in Böhmen gebacken wurden, ihre Verbreitung ging auf jeden Fall von dem Bäderdreieck um Karlsbad aus, dem sie den Namen verdanken.

deutet der Hersteller auf seiner Seite den jüngst entbrannten Kampf um die Herkunft der Oblaten leise an, immerhin 200 Jahre lang liegt ihre Erfindung wohl bereits zurück. Mittlerweile scheint zum Glück eine Einigung gefunden worden zu sein.

Karlsbader Oblaten


Eigentlich wollte ich die Oblaten auch einem Kekstest unterziehen, aber ich muss zugeben, dass es sich bei ihnen zwar um feines Gebäck, nicht aber um einen Keks im eigentlichen Sinne handelt. Eerst gestern war ich gefragt worden, ab wann ein Keks ein Keks eigentlich ein Keks sei, und wann ein Konfekt.

Das ist gar nicht so eindeutig zu beantworten, denn es ist auch eine kulturräumliche Frage.  Denn während man in Österreich und  der Schweiz unter dem Begriff „Konfekt“ Kleingebäck sammelt, ist dafür in Deutschland der Begriff „Keks“ gebräuchlich.  „Konfekt“ nutzt man in Deutschland eher als  Oberbegriff für alle Zucker- und Backwaren, insbesondere aber feine Pralinen, kandierte Früchte oder Fondants. Und so wäre die Karlsbader Oblate per definitionem ein Konfekt, aber das will mir erst recht nicht über die Lippen.

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7 Responses {+}
  • kochend-heiss

    Cool, Oblaten mag ich sehr gerne, aber Du hast Recht, sie sind ein bißchen aus der Mode gekommen. Man isst sie gar nicht mehr so oft, aber lecker sind sie…

  • Anne

    Eine schöne Wiederentdeckung, ja. Hast du schonmal welche selbst gebacken?

  • Andrea

    Da kommen bei mir auch Erinnerungen hoch. Allerdings hahe ich die Karlsbader Oblaten tatsächlich vor Ort gegessen (vor geühlten 1.000 Jahren). Anlässlich unserer Abifahrt nach Prag, bei der wir auch einen Abstecher nach Karsbad gemacht haben.
    Ich weiß noch, dass ich sie damals nicht sehr spektakulär fand… Würde sie heute allerdings gerne noch mal probieren.

  • Kekstesterin

    Wow, Andrea, da hast du mir was voraus! Ich würde sie ja zu gerne mal selbst machen. Muss mir mal ein passendes Rezept suchen und dann schmausen wir gemeinsam, wie wär’s?

  • Nadja

    Erinner mich noch an etwas aufgerissene Mundwinkel, weil man sich natürlich immer ein grosses Stück in den Mund schieben musste als Kind (vorzugsweise die ganze Oblate :-).
    Jetzt kauf ich ab und zu die mit Schokokreme.. leggah! – Aber der Tipp mit Konfitüre und Schlagsahne klinkt auch gut. Probiere ich mal.

  • Kekstesterin

    @Nadja, das klingt ja richtiggehend gefährlich. ;-)

  • Martina84

    Die erinnern mich immer an früher da haben wir häufiger Oblaten gegessen. Sie gehen schnell kaputt wenn man sie auf Reisen mitnimmt und nicht entsprechend verpackt, so meine Erfahrungen :=) Lecker sind sie allemal und würde sie auch wieder mal probieren

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