Food Change: 7 Leitideen für eine neue Esskultur und ein Zukunftsmenü

By , 10 Februar, 2011, 4 Comments

"Food Change" - Wie schmeckt die Zukunft?

Um unser Essverhalten und unsere Lebensmittel ist dieser Tage so einiges an Themen im Gespräch.  Allerorten wird die Macht der Verbraucher beschworen und an unsere Gewissen appeliert. Keine Tiere mehr essen, nur noch regional gewachsene Zutaten einkaufen, Bioläden statt Supermarktketten, Einzelhändler statt Discounter konsultieren. Zurecht.

Aber reicht das und ist das nicht alles wenig nachhaltiges Skandal-Hopping? Und wie soll sich das im Alltag umsetzen lassen? Wo bleibt der Genuss? Und wie lehre ich meinem Heißhunger auf Bio-Rohkost abzufahren statt auf allseits verfügbare industriell gearbeitete Leckerli. Wieso giert mein Körper eigentlich überhaupt nach Sachen, die was Zutaten und Herstellung anbetrifft eigentlich ekelerregend, schädlich und dazu wenig nahrhaft sind?

Good Food – bad Food?

Lässt sich überhaupt a) zwischen gutem und schlechtem Essen unterscheiden? Und b) in der Konsequenz auf schlechtes verzichten? Ganz so dogmatisch gehen es die beiden Autoren von Food Change, die österreichische Ernährungswissenschaftlerin Hanni Rützler und der Kulturwissenschaftler Wolfgang Reiter nicht an. Eher pragmatisch. So steht dem Buch das Kafka-Zitat voran: Wege entstehen dadurch, dass man sie geht.


Trotzdem proklamieren sie einen Wechsel, eine Änderung (liebgewonnener) Gewohnheiten. Das Appetitliche an Food Change ist dabei die Tatsache, dass es alle Fakten und Trendanalysen mit sehr konkreten Beispielen verdeutlicht. Egal ob es um  Phänomene wie „Essthetik“ geht, oder die Frage, wie der Supermarkt der Zukunft aussehen wird, wie sich die Gastronomie auf die neuen, „wertvollen“ Bedürfnisse der  Konsumenten einstellen wird oder wie ein regionales Dorf seine Produkte im globalen Dorf verkaufen kann.

Zukunftsmenüs: Lets get startet!

Schnell wird beim Lesen deutlich, dass die Zukunft uns allen schmecken kann – wenn wir nicht warten, bis sie kommt, sondern sie jetzt anfangen selbst zu gestalten. Und um diese Anpassung leichter zu machen, endet jedes Kapitel mit einem „Zukunftsmenü“, das konkrete Handlungsanweisungen für Konsumenten, Produzenten, Gastronomie, Handel und Politik bietet.

Lieber kein Huhn als irgendein Huhn (Eckard Witzigmann)

Dieses Zitat steht über dem ersten der sieben Kapitel: Besser statt mehr. Qualität statt Quantität also und hier zeigt sich der Nachteil, wenn es denn einer ist, des Werkes. Food Change erzählt nichts wirklich Neues. Es belegt manches und zeigt Handlungsoptionen auf, aber es hat keinen Aha-Effekt. Man kann allem zustimmen darin, denn ja, klar, vielseitig ist besser als einseitig, natürlich besser als künstlich und umweltfreundlich besser als umweltbelastend.

Auf Seite 85 heißt es ebenso banal wie richtig, dass sich das Bewusstsein durchgesetzt habe, „das Essen und Trinken für unser Wohlbefinden von besonderer Bedeutung“ seien. Und doch habe ich das Buch gern gelesen, habe mir mein Unwohlsein gegenüber unserem Ernährungs- und Einkaufsverhalten, unseren unzureichenden Kompromissen was unsere Prinzipien angeht, durch viele Studienergebnisse und kluge Expertenmeinungen bestätigen lassen. Und nicht zuletzt die Gesamtheit und Abhängigkeit von Lebensmittelproduktion über Handel und Gastronomie bis zum Endverbraucher und seinen Bedürfnissen vor Augen halten lassen.

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